Gestaltungsgrundsätze für Betriebe und Arbeitgeber

Besonderes Merkmal von Fahrradabstellanlagen für Betriebsangehörige ist die lange Einstelldauer der Fahrräder; das Verladen von Lasten spielt dagegen keine besondere Rolle. Damit sollten solche Anlagen die folgenden Eigenschaften aufweisen:

Qualität und Tauglichkeit von Fahrradhalterungen

Die Qualität einer betrieblichen Fahrradabstellanlage steht und fällt immer mit der Qualität und Tauglichkeit der verwendeten Halterungen. Dafür sind drei Kriterien entscheidend:

  • Fahrräder können nicht beliebig dicht geparkt werden! Die folgenden seitlichen Mindestabstände sind notwendig, damit Fahrräder ohne Probleme und Beschädigungen des eigenen oder benachbarter Räder ein- und ausgeparkt, angeschlossen sowie be- und entladen werden können:
    - bei niveaugleicher Einstellung: 70 cm
    - bei abwechselnder Hoch-/Tiefstellung der Vorderräder (Höhendifferenz 20...35 cm): 50 cm
    Bei Reihenparkern mit Schrägstellung ist nicht der Montageabstand der Halterungen, sondern der tatsächliche Abstand der Fahrräder untereinander maßgeblich.

  • Eine Fahrradhalterung muss dem Fahrrad in der Parkposition eine gute Standsicherheit verleihen. Dazu muss die Halterung das Fahrrad gut abstützen (möglichst am Rahmen) und (möglichst auch ohne angelegtes Schloss) sicher schützen gegen
    - seitliche Kräfte z. B. durch Winddruck, versehentliches Anstoßen, Beladen des Fahrrades
    - selbständiges Herausrollen aus der Endparkposition
    - ungewolltes Umschlagen des Lenkers, insbesondere bei Lastwechseln beim Be- und Entladen

  • Zum Diebstahlschutz müssen Fahrradrahmen und Fahrradhalterung an gut zugänglicher Stelle mit handelsüblichen Fahrradschlössern sicher zusammengeschlossen werden können (mindestens 40 cm über dem Boden, der Nutzer sollte sich nicht zwischen abgestellten Fahrrädern hindurchzwängen müssen). Ein Zusammenschließen des Fahrrades in sich (Laufrad mit Rahmen) oder nur des Vorderrades mit der Fahrradhalterung ist nicht ausreichend.

"Felgenklemmer" und einfache Vorderradhalterungen erfüllen diese Kriterien nicht, sie geben einem abgestellten Rad nur ungenügend Standsicherheit und Diebstahlschutz! Die Alltagstauglichkeit von Halterungen ist nach Katalog und auch an Hand von Mustern nicht leicht zu beurteilen, daher ist ein Einsatz von ADFC-empfohlenen Modellen ratsam.

Wenn eine betriebliche Fahrradabstellanlage zugangskontrolliert ist, kommt auch ein Einsatz von hochwertigen Vorderradhaltern mit reduzierten Diebstahlschutzeigenschaften in Frage, da der Diebstahlschutz durch die Zugangskontrolle gegeben ist. Die übrigen Forderungen der ADFC-Richtlinie TR 6102 bzw. der DIN 79008 sollten aber erfüllt sein, so sollte insbesondere ein guter Seitenhalt des Fahrrades gegeben sein und ein Seitenabstand von 50 cm bei abwechselnder Hoch-/Tief­stellung nicht unterschritten werden. Der einzige zurzeit für diesen Einsatzzweck optimierte, katalogmäßig erhältliche Fahrradparker ist das Modell "L15 rifugio".

 

Fahrradparker "L15 rifugio"

Anzahl der Fahrradstellplätze

Eine betriebliche Fahrradabstellanlage ist üblicherweise abhängig von Jahreszeit und Witterung sehr unterschiedlich ausgelastet. Auch bei Spitzenauslastung sollten immer ausreichend Stellplätze vorhanden sein.

Die erforderliche Anzahl Stellplätze kann durch eine Mitarbeiterbefragung oder durch systematische Bobachtung der Auslastungssituation (Auslastungsmonitoring) ermittelt werden. Wenn keine betrieblichen Zahlen vorliegen, sollte der lokale Radverkehrsanteil als Basis angenommen werden.

Da der Radverkehrsanteil kontinuierlich zunimmt, sollte bei allen Vorgehensweisen eine Reserve von einem Viertel freier Stellplätze vorgehalten werden.

Umgebungsbedingungen der Abstellanlagen

  • Die Fahrradabstellanlage und ihre Zugänge sollten einer guten sozialen Kontrolle unterliegen, z. B. durch gute Einsehbarkeit von den Arbeitsplätzen aus und (wenn vorhanden) im Blickfeld von Werkschutz bzw. Kamera­überwachung liegen. Die Einsehbarkeit vom öffentlichen Straßenraum sollte in der Regel eingeschränkt sein.

  • Die Fahrradabstellanlage sollte in guter Nähe zu den Arbeitsplätzen liegen.
    Die Zufahrt muss ungehindert (ebenerdig oder über Rampen/Aufzug) möglich sein.

  • Fahrräder, die 365 Tage im Jahr 24 Stunden ohne Wetterschutz parken, altern im Zeitraffer und rächen sich mit häufigem Reparaturbedarf! In betrieblichen Fahrradabstellanlagen verbringen die Fahrräder typischerweise rund 9 Stunden an 230 Arbeitstagen im Jahr - das ist zusammengenommen rund ein Viertel des gesamten Jahres.
    Eine wirksame Überdachung gegen Regen und UV-Verwitterung ist daher kein Luxus, sondern schont den Geldbeutel der Beschäftigten und ist ein merklicher Nachhaltigkeitsbeitrag!

  • Eine betriebliche Fahrradabstellanlage sollte bei Dämmerung und Dunkelheit gut beleuchtet sein.

Bewertung von Bestandsanlagen

Bei der Bewertung bestehender Anlagen spielt die Tauglichkeit der eingesetzten Fahrradhalterungen eine entscheidende Rolle. Mit dem hier angebotenen Bewertungsbogen für Bestandsanlagen lässt sich schnell einschätzen, ob die Halterungen eine ausreichende Tauglichkeit aufweisen oder ausgetauscht werden sollten. In Abstellanlagen von Betrieben sollten keine Halterungen mit einem Tauglichkeitsfaktor kleiner als 12 eingesetzt werden.

 


Lademöglichkeiten für E-Bike-Akkus

Betriebliche Lademöglichkeiten für E-Bike-Akkus der Beschäftigten haben im Flachland angesichts der heutigen Akku-Reichweiten eher Luxuscharakter. Anders ist das bei Betriebsstätten in einer hügeligen oder gebirgigen Umgebung, wo die Akkukapazität für Hin- und Rückweg zwischen Zuhause und Arbeitsstätte ohne ein Zwischenladen schon knapp bemessen sein kann.

Brandschutz beim Laden von E-Bike-Akkus

Beim Laden der Lithium-Akkus von E-Bikes kann es in seltenen Fällen zu Bränden oder Explosionen kommen, insbesondere wenn ein Akku geladen wird

  • nach mechanischer Beschädigung z. B. durch Sturz
  • nach einer Tiefentladung
  • in sehr kaltem Zustand nach einer Winterfahrt.

So selten die Akku-Brände sind, so schwer beherrschbar sind sie aber auch. Mit normalen Feuerlöschern lassen sie sich in der Regel nicht löschen, sondern nur mit Sand oder mit einem speziellen Metallbrand-Löscher.

Vor diesem Hintergrund sollten Betriebe brandschutztech­nisch sichere Lademöglichkeiten für E-Bike-Akkus anbie­ten, um damit alle möglichen Gefährdungen durch ein unkontrol­liertes Laden am Arbeitsplatz oder in anderen Räumlichkeiten zu vermeiden. Angebote sind hier besser als schwer kontrollierbare Verbote!
Empfehlenswert ist die Installation einer E-Schließfach­anlage an einer brand­schutztechnisch geeigneter Stelle. E-Schließfächer bestehen aus feuerhemmen­dem Stahl­blech und enthalten je nach Modell eine oder zwei Steck­dosen pro Fach. Die Nutzer können darin ihren Akku zusammen mit dem eigenen Ladegerät zum Laden einschließen.
Wenn Lademöglichkeiten im Freien angeboten werden, ist unbedingt auf einen guten Witterungsschutz gegen Regen und Sonneneinstrahlung zu achten (bei Erwärmung durch pralle Sonne verhindert eine akkuinterne Temperaturüber­wachung den Ladevorgang).

 

Elektrosicherheit beim Laden von E-Bike-Akkus

Gelegentlich ist zu beobachten, dass in Fahrrad­abstellräumen ein paar Steckdosenleisten ausgelegt werden, damit E-Bike-Nutzer daran ihre Ladegeräte anschließen können.

Neben der Brandgefahr ergeben sich damit auch Gefahren durch elektrischen Strom, denn die Steckdosenleisten liegen oftmals auf dem Erdboden und halten den Belastungen durch Darauftreten und Überfahren nicht unbedingt stand.

Außerdem kann es gefährlich werden, wenn nach einem Regenguss das Wasser von Neuankömmlingen und ihren Fahrrädern auf eine solche Steckdosenleiste abtropft.

Also sind E-Schließfachanlagen auch aus Gründen der Elektrosicherheit dringend empfohlen!

E-Schließfach

 


Produktfoto mit frdl. Genehmigung der Fa. ZIEGLER Metallbearbeitung AG

 

Zertifizierung

Betriebe, die diese Kriterien für ihre Fahrradabstellanlagen erfüllen, sind nicht weit von einer imageförderlichen Zertifizierung als fahrradfreundlicher Betrieb entfernt. Dafür gibt es zwei Siegel:

 

 

 


Damit die Informationen auf diesen Webseiten gut von den Suchmaschinen gefunden werden, werden neben den korrekten Fachbegriffen auch die umgangssprachlichen Begriffe Fahrradständer (für Fahrradhalterung bzw. Fahrradparker) oder Fahrradstand (für Fahrradabstellanlage) verwendet.